Nachbericht Stammtisch Eingliederungshilfe

KI-gezeichnete Szene eines Treffens in einem hellen Raum: Mehrere Menschen sitzen an einem langen Holztisch. Im Mittelpunkt steht eine lächelnde Person mit Brille, kurzem grauem Haar, dunklem Sakko und weißem Hemd im hinteren Bereich des Raums. Die übrigen Anwesenden sind bewusst nur skizzenhaft und ohne erkennbare Gesichtszüge dargestellt. Getränke und Gegenstände auf dem Tisch treten dezent in den Hintergrund.

Die reguläre Bestuhlung im Versammlungsraum von SelbstBestimmt Leben e.V. Bremen reichte diesmal nicht aus: Wegen des großen Andrangs mussten zusätzliche Klappstühle herbeigeschafft werden.

Arne Frankenstein informierte über die derzeit auf Bundesebene diskutierten Änderungen der Eingliederungshilfe. Im Zentrum stehen Vorschläge, die individuelle Unterstützungsansprüche begrenzen, Assistenzleistungen verstärkt als Poolleistungen organisieren und durch Belegungsrechte die Wahlfreiheit bei Wohn- und Unterstützungsformen einschränken könnten.

Damit stehen wesentliche Errungenschaften des Bundesteilhabegesetzes und die in Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention verankerte gleichberechtigte Möglichkeit, selbstbestimmt in der Gemeinschaft zu leben, auf dem Spiel.

Die Diskussion machte deutlich: Die wachsenden Ausgaben der Eingliederungshilfe dürfen nicht als Vorwand dienen, Leistungen behinderter Menschen zu kürzen. Kostensteigerungen entstehen insbesondere durch höhere Tariflöhne und Energiekosten. Statt Rechte zu beschneiden, braucht es den konsequenten Ausbau inklusiver Sozialräume, verlässlicher ambulanter Unterstützungsangebote und echter Wahlmöglichkeiten.

Wir werden die angekündigten Verschärfungen nicht widerspruchslos hinnehmen. Gemeinsam wollen wir weitere Schritte und öffentlich sichtbare Aktionen vorbereiten – bis hin zu Protesten auf der Straße. Unser Ziel bleibt klar: individuelle Rechtsansprüche verteidigen, Selbstbestimmung sichern und einer Politik entgegentreten, die Teilhabe dem Sparzwang unterordnet.

Wir bleiben dabei: Kürzungen bei Teilhabe und Inklusion werden wir nicht akzeptieren.


KI-Illustration

Mitgliederversammlung SL 2026

Kurzbericht Mitgliederversammlung 22.09.26

2025 war für SelbstBestimmt Leben Bremen ein arbeitsreiches Jahr mit einem klaren Schwerpunkt auf Beratung, politische Interessenvertretung und Barrierefreiheit. Der Verein hatte Ende 2025 60 zahlende Mitglieder; der Vorstand wurde mit Britta Bunge als Beisitzerin ergänzt.

SelbstBestimmt Leben Bremen bleibt eine unverzichtbare unabhängige Beratungsstelle und eine starke politische Stimme behinderter Menschen in Bremen. Die zentralen Aufgaben bleiben: Beratung sichern, Barrierefreiheit durchsetzen, die Domsheide-Klage begleiten, Verbesserungen bei Persönlicher Assistenz erreichen und das 40-jährige Jubiläum gut gestalten.

  • Die Beratungsstelle hat 2025 insgesamt 900 reguläre Beratungskontakte durchgeführt. Das sind weniger als 2024 mit 975, aber deutlich mehr als 2023 mit 751. Besonders stark nachgefragt waren telefonische Beratungen; die größte Altersgruppe waren Menschen zwischen 35 und 54 Jahren.
  • Allgemeine Beratung und EUTB konnten verlässlich angeboten werden. Nach einer Vakanz wurde die EUTB-Stelle zum 1. April 2025 wieder besetzt.
  • Die neue Website wurde nach umfangreicher Überarbeitung zum Jahreswechsel 2025/26 freigeschaltet.
  • Politisch war die Auseinandersetzung um den Umbau der Domsheide besonders wichtig. Weil die geplante Lösung aus Sicht der Behindertenverbände keine barrierefreie Umsteigeanlage gewährleistet, wurde zunächst ein Schlichtungsverfahren eingeleitet. Nach dessen Scheitern im Mai 2026 haben SL und die LAGS Bremen Verbandsklage beim Verwaltungsgericht Bremen erhoben.
  • Das Forum Barrierefreies Bremen arbeitete kontinuierlich an Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, im ÖPNV, bei Bauvorhaben und beim barrierefreien Wohnen.
  • Acht behindertenpolitische Stammtische, Informationsabende und Gespräche mit Politik und Verwaltung stärkten die öffentliche und politische Arbeit des Vereins.
  • Die räumliche Situation bleibt problematisch. Die Vermieterin Vonovia hat inzwischen Sanierungsmaßnahmen wegen feuchter Wände und eines feuchten Kellers angekündigt; geeignete neue Räume konnten bislang nicht gefunden werden.
  • 2026 setzt sich die hohe Beratungsnachfrage fort: Bis Anfang August wurden bereits 570 Kontakte dokumentiert, gegenüber 550 im vergleichbaren Zeitraum 2025.
  • SL unterstützte außerdem den Protest von Nutzer*innen Persönlicher Assistenz gegen Kürzungen, Verzögerungen und Befristungen. Nach einer Protestaktion und Gesprächen mit der Sozialverwaltung gibt es Zusagen für Verbesserungen; entscheidend wird sein, ob diese tatsächlich umgesetzt werden.
  • Im November 2026 feiert die Beratungsstelle ihr 40-jähriges Bestehen mit einer Geburtstagsparty am 14. November und dem Fachtag „KI – Chancen und Risiken für die Selbstbestimmung behinderter Menschen“ am 27. November.
  • Bei den Neuwahlen gab es Veränderungen im Vorstand: Neue erste Vorsitzende ist Dr. Swantje Köbsell, das Amt des Kassierers übernimmt künftig Dr. Joachim Steinbrück. Die zweite Vorsitzende sowie die beiden Beisitzer*innen wurden in ihren Ämtern bestätigt.

21.08.26 „Drohende Kürzungen bei Teilhabe und Inklusion – und was wir dagegen tun können“ Stammtisch mit dem Landesbehindertenbeauftragten

Zu unserem nächstern Stammtisch erwarten wir unseren Bremer Landesbehindertenbeauftragten Arne Frankenstein. Die Bundesregierung, Länder und kommunale Spitzenverbände streben aktuell eine Reform der Eingliederungshilfe an, die deutliche Verschlechterungen vorsieht. Dies gefährdet die Selbstbestimmung und Teilhabe behinderter Menschen. Arne Frankenstein wird die wesentlichen Vorschläge erläutern und mit uns die Frage diskutieren, wie die geplanten drastischen Einschnitte verhindert werden können.
 
Es gelten die bekannten Stammtischregeln: Mineralwasser und weitere Getränke stellen wir bereit. Was Ihr glaubt, was wir sonst noch brauchen, bringt bitte selbst mit – ganz selbstbestimmt.

Beginn wie gewohnt um 19 Uhr bei Selbstbestimmt Leben e.V. Bremen, Ostertorsteinweg 98. Anmeldungen an verein@slbremen.de oder per Telefon: 0421-70 44 09.